Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht Foto: DENNIS ANGENENDT

Dialog statt Disput

Schon lange hatte die Turnhalle der Alten Schule in Petersdorf keinen solch großen Andrang mehr erlebt: Über 150 Interessierte waren gekommen. Grund war der Besuch des zuständigen Ministers Jan Philipp Albrecht, der sich auf unsere Einladung hin am 7. März 2020 einer fast zweistündigen Debatte mit Landwirten und anderen Interessierten zur Zukunft der Landwirtschaft stellte.

v.l. Andreas Riessen, Jan Philipp Albrecht, Anna Stoltenberg, Gunnar Mueller, Marco Eberle/ Foto: DENNIS ANGENENDT

Neben Jan Philipp nahmen Gunnar Müller, Bezirksvorsitzender des Bauernverbands Fehmarn, Bio-Landwirtin Anna Stoltenberg aus Nehms, deren Familie seit 30 Jahren einen Biohof mit Direktvermarktung betreibt, und Andreas Riessen, Landwirt mit den Schwerpunkten Ackerbau, Schweinemast und Biogas, an der Diskussion teil, die von unserem grünen Stadtvertreter Marco Eberle moderiert wurde.

Schon ziemlich schnell wurde klar, dass der von einigen erwartete große Dissens ausbleiben würde. Der Berufsstand der Landwirt*innen ist in den letzten Jahren zusehends unter Druck geraten: Die niedrigen Preise der großen Discounterketten, Dürren als Folge der Klimakrise, die Regulierung durch die Düngeverordnung und obendrein die fehlende Anerkennung in der Gesellschaft machen ihm zu schaffen. Die Landwirt*innen dürfen laut Jan-Philipp nicht mit den Aufgaben der Zukunft alleingelassen werden. So müsse der Verbraucher an mancher Stelle auch an die Hand genommen werden, damit er seinen Beitrag zur Transformation leisten könne. Man könne z.B., um die Investitionen wegen erhöhter Tierwohlauflagen zu finanzieren, auf die Fleischpreise einen Tierwohlcent aufschlagen, so Jan Philipp.

Anna Stoltenberg / Foto: DENNIS ANGENENDT

Bio-Landwirtin Anna Stoltenberg stellte fest, dass ihr Betrieb sich diesem Druck nicht ausgesetzt sieht, sondern sich eher einer großen Nachfrage gegenübersieht. Auch die wachsenden Bio-Sparten der Discounter haben daran nichts geändert.

Gunnar Müller nutzte diese Aussage, um klarzustellen, dass es nicht anginge, nur auf Ökolandbau umzusteigen, da durch die Ertragsminderung dann die Selbstversorgerquote in Deutschland unterschritten würde. Öko-Landbau habe seine Daseinsberechtigung als Nische, doch könne man nicht auf die konventionelle Landwirtschaft verzichten, es gehe eher darum, diese ökologischer zu gestalten. Und es müsse sich darüber hinaus finanziell lohnen, Natur- und Gewässerschutz zu betreiben. Es könne nicht sein, dass derjenige, der einen Baum pflanzt, der Dumme ist.

Zum Thema Gewässerschutz und Nitrateintrag gab es auch mehrere kritische Wortmeldungen aus dem Publikum, was zu einem späteren Zeitpunkt in die Diskussion mit eingebunden wurde. Hier wurde auch von Seiten der Landwirte die mangelhafte Datenlage für Fehmarn bemängelt. Man stehe einem umfassenden Messnetz positiv gegenüber und wolle im Falle einer Überschreitung von Grenzwerten nachbessern. Andreas Riessen gab an dieser Stelle zu verstehen, dass man technisch schon weiter sei als allgemein vermutet. Der Minister gab zu verstehen, dass seine Behörde jederzeit bereitsteht, um innovative Konzepte zu fördern.

Moderator Marco Eberle Foto: ©VORANWERK / Tobias Danklefsen

Alles in allem hat sich an diesem Abend gezeigt, dass alle Akteure bereit sind, gemeinsam eine für alle verträgliche Zukunft der Landwirtschaft zu gestalten, und es vor allem wichtig ist, dabei im Gespräch zu bleiben. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten und sehen den Besuch des Ministers Jan Philipp Albrecht als Auftakt zu einem Dialog, den wir auf Fehmarn am Leben erhalten wollen.

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